Mittwoch, 29. Dezember 2010

Weiße Weihnachten im Hinterland von Kanada

... oder die Geschichte von plötzlich im Schnee endenden Straßen ...

Am 22. Dezember durften wir endlich unser Auto für unseren Weihnachts/Silvester Trip abholen. Einen Minivan hatte ich schon vorreserviert, denn wir waren ja zu sechst und das mit entsprechend Gepäck. Leider hab ich mir da unter Minivan etwas Größeres vorgestellt. Naja, wird schon gehen. Als ich dann zuhause aber merkte dass man entweder einen Kofferraum haben kann oder die Sitze im Kofferraum hochklappt war recht schnell klar, dass das so nichts wird. Ok, also wieder zurück zu Chris bei Avis, wo wir immer unsere Autos mieten und einen Größeren holen. Glücklicherweise hatte er auch noch einen auf dem Hof stehen. Den durften wir dann auch gleich mitnehmen für nur 60$ mehr in 13 Tagen... Manchmal versteh ich warum alle so große Autos fahren, wenn die das gleiche kosten wie die Kleinen oder nur marginal mehr (Später haben wir im Radio gehört dass unser Van neu für nur 18.000 $ zu haben ist). Dort haben wir dann alles untergebracht, auch wenn wir da immer noch genau planen mussten wo wir was verstauen.

Mit etwas mehr als einer Stunde Verspätung begann dann unsere Tour. 8-9 Stunden lagen vor uns. Und mit 2 Fahrer definitiv machbar. Die Fahrt war dann auch recht unspektakulär, bis auf die letzten 3 Stunden. Das GPS hat sich nämlich eine andere Route überlegt, wie wir sie uns ausgedruckt hatten und lotste uns dann dort lang. Im Sommer mag das ja annehmbar sein. Leider war die aber im Winter nicht wirklich befahrbar. Mit unserem großen Van kamen wir immerhin 20km weiter, bis uns dann das GPS sagte: "Bitte wenden". Als es uns dann andeutete rechts in ungeräumten Neuschnee abzubiegen wurden wir stutzig. Soll da ne Straße sein? Ein paar Meter zurücklaufen bis -10°C und tatsächlich. Da war ein Schild was andeutete das ist eine Straße... Naja, wenn wir das versuchen werden wir wohl feststecken, auch wenn es nur noch 5-8km Luftlinie zu unserer Hütte waren. Die Straße bis dahin war schon schlechter geräumt als ein Radweg bei uns in Deutschland, also doch zurück zur nächsten großen Straße und am Ende doch den Weg nehmen den wir unsprünglich ausgedruckt hatten... Hat uns dann etwas mehr als 2 Stunden gekostet, aber am Ende war es dann auch egal. Gegen 10 Uhr Abends waren wir dann endlich in der kleinen Nebenstraße in der unsere Hütte sein sollte. Ungünstigerweise hatte dort seit dem letzten Schneefall noch keiner geräumt. Links uns rechts vom Weg waren etwa 30cm hohe Schneehügel und zwischen denen und dem Wagen waren auf jeder Seite wohl nur so 10-15 cm Platz. Spannend... Viel besser war dann aber der finale Anstieg. Beim ersten Mal kamen wir nur bis zur Hälfte. Selbst mit Anschieben bewegte sich nichts. Ganz im Gegenteil der Wagen fing sogar einfach so von sich aus an zurück zu rutschen... Naja ok, Anlauf muss her, da auch nirgendwo an Umdrehen zu denken war. Also vorsichtig zurücksetzen. Naja, vom Beginn der Steigung anfangen wird nicht reichen, also weiter zurück. Nur ergibt sich da das Problem dass da 2 Kurven waren. Naja hilft ja nichts. Also 300 Meter zurück und mit 40 um die Kurven blasen mit schönen durchdrehenden Rädern und einem rutschenden Hinterteil. Das hat dann auch geradeso gereicht um sich bis nach oben hochzuziehen.
Die Hütte war dann auch echt phänomenal. Riesiges Wohnzimmer mit angegliederten Küche. Super ausgestattet und der Gaskamin ist zwar nicht ganz echt, man erspart sich aber Holz holen, Dreck und das Anmachen jedes Mal.

Die 7 Tage auf der Hütte haben wir uns dann mit Rodeln, Kartenspielen, Kochen und Relaxen verbraucht. Auch waren wir am Heiligabend im nahegelegenen Skigebiet ein wenig boarden oder Ski fahren. Inklusive Miete der Ausrüstung, Liftpass und allem anderen hat uns dass auch nur 60$ gekostet. Das war zwar nur ein kleines Gebiet, aber für einen Tag vollkommen ausreichend. Angenehmerweise war es ja auch Freitag und somit waren wir fast alleine. Wartezeite gab es nicht. Über zugefroreren Seen sind wir gelaufen, hatten eine Schneetoilette (unsere hat für ein paar Tage gestreikt), haben einen 5,6kg Truthahn zu Weihnachten verspeist und die Zeit wirklich genossen. An 2 Tagen waren wir dann auch noch in Ottawa (1,5 Stunden entfernt), weil wir wechselnde Besatzung hatten und die dort abgeholt haben. Das haben wir dann auch gleich genutzt um das Parlament anzusehen und das verschneite Ottawa zu besichtigen. Ich war allerdings überrascht dass nahezu alle Geschäfte zu hatten und auch Restaurants (Selbst Tim Hortons war zu!). Das lag wohl daran dass dort fast alles von der Regierung abhängt. Und wenn die im Urlaub sind ist dort nichts los. Zumindest dachten wir das, aber am 2. Tag haben wir festgestellt, dass das nur für die nähere Umgebung des Regierungsviertels galt. Es gab auch Ecken an denen was los war ;-)

Insgesamt eine wirklich gute Idee die Zeit auf der Hütte zu verbringen, der fiel mal so der ganze Stress von einem ab und man hat mal wieder Energie getankt. Irgendwann war die Zeit dann aber auch vorbei und es ging weiter nach Montréal für Neujahr. Aber das könnt ihr dann das nächste mal lesen.

Einige Bilder mehr könnt ihr natürlich wieder in meiner Picasa-Galerie finden.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Klausuren, Labor und Weihnachten

... oder auch warum man nachts um 3 im Labor vorbeischaut...

Ja, genau das war der Fall. Das Ziel war trotzdem dadurch länger zu schlafen, was auch funktioniert hat. Da ich Freitag Nachmittag ein Experiment angesetzt habe, welches nach 12 bis 16 Stunden analysiert werden muss, bin ich nach einer Abschiedsfeier mit Clemens und Thomas einfach nochmal kurz ins Labor gegangen. Lag ohnehin auf dem Weg und war nur für 5 Minuten. Leider hätte ich mir das auch sparen können, da es nicht funkioniert hat. Aber na gut, das wäre auch zu schön um wahr zu sein. Denn bereits vorher hatte alles ohne Probleme und größere Verzögerungen bereits beim ersten Versuch funkioniert. Daher hab ich es einfach mal drauf angelegt und den finalen Schritt ohne Zwischenkontrolle gestartet. Naja, so werde ich nochmal 1-2 Tage investieren müssen um den Grund herauszufinden, aber das ist nun mal Wissenschaft. Das Büro habe ich seit Donnerstag auch ganz alleine für mich, da alle anderen schon in ihren Weihnachtsferien sind. Im nächsten Term werde ich mich am Anfang erstmal durchsetzen müssen um eine Stamm-Schreibtischplatz zu sichern, denn da werden wir zeitweise 5-6 Leute sein, wobei es aber nur 4 Schreibtische gibt.
Die Klausuren liefen ganz gut. Für die eine konnte ich ja glücklicherweise 3 Tage lernen (das ist hier schon Luxus so viel Zeit zu haben) und für die andere immerhin 13 Stunden minus die Zeit die ich geschlafen habe. Das war ich aber froh dass ich viel davon schonmal in meinem Studium hatte, somit war das auch mehr oder minder ganz gut machbar.
Da ganz viele Leute in den letzten Tagen Kanada verlassen, finden hier im Moment ganz viele Abschiedsfeiern feiern statt. Das ist auch nicht schlecht, aber bei der Unzuverlässigkeit des Bussystems hier (man sollte ja meinen, dass die Winter gewöhnt sind, aber den Eindruck hat man manchmal eher nicht). So passiert es dann häufig mal, dass man 3-5 km zu einer Feier läuft. Das ist der Nachteil dass hier alles so weitläufig ist. Wohngegenden erstrecken sich über epische Entfernungen und so braucht man schon mal eine Weile um von A nach B zu laufen. Na gut wenigstens kann man sich gegenseitig auch mal in den Schnee schubsen, wenn man unterwegs ist. Verlängert zwar den nach Hauseweg, macht aber Laune.
Naja bald gehts dann auch für mich in die Winterferien, mal ein paar Tage erholen ;-)

Dienstag, 7. Dezember 2010

Feuerzangebowle und erste Klausur

... oder auch "eins vor dem 'ei' und zwei hinter'm 'ei' " ...

Jaja, dieses unvergessliche Zitat schwirrt nun schon seit einer halben Ewigkeit durch die Köpfe vieler Leute sobald es anfängt kalt zu werden und die richtige Zeit gekommen ist eine Feuerzangenbowle anzusetzen. Dafür einen herzlichen Gruß nach Braunschweig wo ich erstmals in den Genuss des Films und des Getränks gekommen bin. Und am Freitag hab ich herausgefunden dass es nicht selbstverständlich ist Feuerzangenbowle zu kennen. Die Österreicher, einiger Hamburger und noch ein paar mehr (ganz abgesehen von den nicht-deutschen) hatten keine Ahnung was das ist. Aber jedes Jahr steht hier in Kanada Feuerzangenbowle auf dem Programm. Bei uns war es letzten Freitag soweit. Unser Programmkoordinator hier hat Wurst, Käse und Brot mitgebracht und wir haben uns um die Feuerzangenbowle und einige Snacks gekümmert.

Als dann das erste mal der Rum über den Zuckerhut floss und bläulich leuchtend entzündet wurde, war die Vorfreude auch endlich da... Juhu, das erste mal seit 2 Wochen wieder einen Tropfen Alkohol (abgesehen von einen Bier...). War auch wirklich gut, Debbie hat das Rezept im Internet gefunden, bisher musste ich mich da nie darum kümmern, aber essentiell ist Rotwein, Orangensaft, Zimt, Gewürznelke, ein Zuckerhut und natürlich Schnaps mit mehr als 50% Alkohol. Zeitgleich ging dann auch der Film los. Wie schön wenn man doch jedes zweite Zitat mitsprechen kann und das selbst beim 10. Mal die Gags noch lustig sind. Als Dr. Pfeiffer sich gerade als Lehrer verkleidet hat und mit Wunderkerzen anfängt zu hantieren war für uns natürlich auch Pflicht Wunderkerzen zücken und entzünden. Irgendwie haben aber 15 entflammte Wunderkerzen dem Rauchmelder nicht so geschmeckt, also ist er direkt mal angesprungen... verdammt war der laut! Dummerweise war es eines der neuen renovierten Häuser und so hatte der keine Batterien sondern war am Stromkreis angeschlossen. Hat ne Weile gedauert eh wir den abgestöpselt hatten und endlich zur Ruhe gebracht hatten. Mein erster Schrecken dass der per Kabel mit der Notstelle verbunden war hat sich dann auch nicht bestätigt, war nur das Stromkabel... Dann konnte es auch weitergehen mit den letzten Minuten des Films. Bald nach dem Ende war dann auch Schluss, ein wenig aufgeräumt noch und dann nochmal zu Clemens für ein Bierchen...

Heute hatte ich dann mein erstes Examen. Weil es ein Masterkurs ist schon eher als eigentlich üblich, aber das kommt mir ganz entgegen da ich am Freitag und am Samstag meine beiden anderen habe. Somit hab ich wenigstens noch 2 Tage zum Lernen für die Anderen. Die Klausur war auch einfacher als befürchtet. Soviele Modelle wie wir mathematisch hergeleitet haben... am Ende mussten wir doch das meiste nur qualitativ erklären, was mir sehr entgegen kam, da ich mit den mathematischen Modellen ab und an ein wenig auf Kriegsfuß steh. Aber die beiden die wir herleiten mussten waren zum Glück die einfacheren. Ich denke ich werde mit dem Ergebniss wohl ganz zufrieden sein.

Dienstag, 30. November 2010

Examens Phase

... oder das überfürsorgliche Tätscheln der Studenten...

Während der Klausuren Phase gibt es hier im CLV besondere Vorschriften. Das dient dazu dem armen ohnehin schon vollkommen überforderten und gestressten Studenten die Möglichkeit zu geben in Ruhe zu lernen. Dabei wurde vermutlich vor vielen Jahren der Hauptstörfaktor Nummer 1 in einer groß angelegten Studie ermittelt. Dabei muss wohl herausgekommen sein dass die Mitbewohner die Störenfriede Nummer 1 sind. Daher wurde die 23 Stunden Ruhe Regel eingeführt.
Bedeutet... für 23h am Tag ruhig sein und eine vorher von dem gesamten Apartement festgelegte Stunde darf etwas lauter sein. Parties, Gäste und Musik sind während dessen verboten. Interessanterweise muss man ja auch 24h nach seinem letzten Examen ausgezogen sein, damit in den nächsten Tagen die Mitbewohner nicht mehr durch die Anwesenheit gestört werden. Vermutlich muss man den Auszug auch innerhalb der einen Stunde Normallautstärke durchführen... Soviel zum "Protektektionismus" der armen kanadischen Studenten. Möglicherweise würden einige auch am liebsten Bauarbeiten in der gesamten Stadt für diese Zeit verbieten und den lauten kanadischen Wildgänsen Platzverbot vor den Wohnheimen verpassen... aber das ist nur so eine Anregung die man einigen besorgten Eltern noch vorschlagen könnte *gg*.

Hier mal die Orginalliteratur (englisch) die eben per Mail kam:  
Starting Dec 6, 2010 until Dec 23, 2010,  23 hour quiet hours will be in effect.  What this means is that:
·         It is up to each town house to determine what hour will be their “reasonable amount of noise hour/community hour”.
·      You are not allowed to have overnight guests, unless you have spoken to your housemates about it and they have agreed to it
·         Only have study parties in your house after you have gotten approval from all of your housemates
·         You are required to be respectful to those in your house and those around your house ( your neighbors): listen to music with head phones on, keep the volume on the T.V at a reasonable volume e.t.c
Parties are not allowed. If the dons are forced to break up your party during the exam period, it will be documented ( and a meeting with the RLC will soon follow)

Freitag, 26. November 2010

Chicago

... oder "Windy City" oder auch "Second City" ... 11.11-14.11

Nun ist es auch schon wieder ein bisschen her dass wir in Chicago waren. Um genau zu sein 2 Wochen. Solange hatte ich entweder keine Zeit oder in den Stunden wo ich Zeit hatte, hab ich mich gedrückt.
Wir sind ja schon am Donnerstag Mittag losgefahren. Hat diesmal auch alles wunderbar geklappt mit den Autos. Und wie mittlerweile schon gewohnt, wenn man zu Christ bei Avis kommt um sein Auto zu holen, ist dass wie Weihnachten. Jedes mal eine neue tolle Überraschung. Und auch diesmal hat er mich nicht enttäuscht. Tut mir leid wir haben keinen "Fullsize" mehr. Daher kann ich dir nur den SUV geben für den gleichen Preis. Klar warum nicht *freu*. Wieder ein neues Auto. Habe glaube ich mittlerweile hier schon 5 verschiedene Autos gefahren. Diesmal war es der Hyundia SantaFe. Den gibt es auch bei uns in Europa und der ist eigentlich ganz schön. Natürlich braucht man so ein großes Auto nicht in der Stadt (mal unter uns... vermutlich haben nur 10% aller SUV's jemals etwas anderes als die Straße gesehen), aber die Sitzposition ist schon erhaben. Man hat dadurch auch einen ganz guten Überblick.
Nachdem wir also noch schnell was gegessen haben zum Mittag ging es also los Richtung Chicago. Diesmal haben wir uns die Richtung vorher angesehen und alles ausgedruckt, dennoch haben wir uns nach 20 km verfahren. Die Beschilderung ist hier immer recht eigenartig. Auf den Ausfahren und Vorwegweisern steht nie auf welcher Straße man ist oder welches Endziel diese Straße hat. So waren wir uns also mal wieder nicht sicher ob wir ungewollt schon falsch abgefahren sind oder immer noch auf der richtigen Straße waren, da der Highway auf den wir wollten nicht mehr auf den Schildern war. Also abgefahren angehalten und ne Karte gesucht. Da haben wir schon festgestellt dass unser Kartenmaterial maximal durchschnittlich war. Hatten von Thomas einfach 8 Karten bekommen, wobei auf einer grob nur zu sehen war das wir eigentlich richtig waren. Also wieder zurück und weiter gehts... Irgendwo auf dem Weg haben wir die anderen auch eingeholt so dass wir zusammen an die Grenzstation fahren konnten. Ging auch alles ganz schnell und unproblematisch. Ich hatte mein Visa ja noch, also hat das nur wenige Minuten bei mir gedauert. Die anderen mussten wieder diesen Zettel ausfüllen und versichern dass sie weder Schmuggler, Kriegsverbrecher oder Terroristen sind. Einige Stunden später waren wir dann auch endlich in Chicago. Ein Glück dass ich da nicht fahren musste, denn der Anblick war schon richtig eindrucksvoll. Nach einem kurzen Wortgefecht mit einem Amerikaner (wollten in der Nähe vom Museum in einer Nebenstraße in der Einfahrt kurz halten um ein Foto zu machen... doch da kam dieser etwas verwirrte Autofahren hat sich auf einer 10m breiten Straße hinter uns gestellt Dauerhupe angeschaltet und gebrüllt das wir da nicht parken dürfen... nach einer Minute Diskussion und ziemlich gernervt sind wir dann halt weiter) sind wir dann zum Hostel gefahren. Dem zweitgrößten in den Staaten mit ca. 400 Betten und mitten in Downtown. Waren dann auch fast alle so erschöpft dass wir nichts mehr gemacht haben an diesem Tag (die gesamte Tour dauert ca. 10 Stunden und gegen 1 Uhr nachts waren wir da).

Am Freitag ging es dann auf Erkundungstour, zu Fuß und zu Boot. Ist schon wirklich beeindruckend. Das schöne an Chicago ist die gemischte Architektur. Nicht nur die ultramodernen Hochhäuser sondern eine Mischung aus alten 1920er Hochhäusern (mit vielen verzierten Elementen an den Fenstern, wie aus alten Mafia Filmen), vor modernen Stahl und Glasgiganten. Ein Block ist Park und der nächste Block ist dann wie eine Wand aus Hochäusern. Und alles ist verdammt sauber.



Als nächstes waren wir im Millendium Park mit dieser großen spiegelnden Bohne (so oder so ähnlich bezeichnen Chicagoer zumindest dieses Objekt). Macht Spaß davor ein bisschen die Zeit totzuschlagen und ist auch ein idealer Ort um ein Gruppenfoto zu machen.
Danach ging es zum Fluß (Chicago River). Wie wir später gelernt haben floß der früher in die andere Richtung in den See. Vor etwa hundert Jahren hat man durch Schleusen die Richtung geändert. Grund war die starke Vermutzung des See durch die Abwässer die vom Fluss in den Michiansee flossen. Dieser wird nämlich zur Trinkwasserversorgung genutzt. Seit dem bekommt St. Louis, Memphis und New Orleans den ganzen Dreck ab, denn der Chicago River mündet irgendwo im Mississippi. Seit den 90ern wird der Fluss aber zunehmend sauberer und mittlerweile ist er mit den vielen alten Hebebrücken wirklich schön. Vor allem ist spannende das einige Hochhäuser quasi direkt am Fluss stehen. Die Bootstour war also sehr sehenswert aber danach mussten wir etwas essen gehen, war schon schon 2 Uhr. Thomas hat da die angeblich beste Pizzeria der Stadt gefunden. Dort gibt es die orginal Pfannenpizza dort angeblich genau dort erfunden wurde. Sind ja auch nur 3 oder 4 Blocks... aber ... wenn wir vorher geahnt hätten wie weit ein weit sein kann *G*. Nach einer halben Stunde waren wir dann da. Es war aber leider so voll, dass wir einen Tisch bestellt haben und eine halbe Stunde später wiederkommen mussten. Also nochmal in eines der größten (nicht höchsten) Gebäude dem Merchandise Mart. Das Gebäude hat eine Grundfläche von etwa einem Hektar, ist so groß wie ein ganzer Block und hat seine eigene Postleitzahl... Beherbergt aber nur viele Büros und Läden, so dass wir dort nur kurz drin waren. Die Pizza war auch wirklich gut. Hatten 3 große für uns acht Leute.

Praktischerweise (oder auch nicht wenn der Service schlecht war) wird bei einer Gruppe das Trinkgeld mit eingerechnet, da braucht man sich keine Gedanken machen. Anschließend ging es dann langsam Richtung Hostel. Sind ja auch viel gelaufen und das war anstrengend, also wollten wir ein kleines Nickerchen machen, bevor wir zum Sears Tower pardon... heißt ja mittlerweile Willis Tower (keiner in Chicago akzeptiert den neuen Namen, nur weil eine britische Versicherungsfirma nun der Hauptmieter ist). War schon beindruckend im höchsten Gebäude der USA zu stehen. Leider war es etwas diesig, aber die Aussicht war trotzdem furios.

Seit 2 Jahren gibt es dort auch Glaskästen in der Wand. Die ragen so 2 Meter aus der Fassade heraus und somit kann man in 430m höhen direkt auf die Autos unter einem sehen. Man steht also nur auf Glas. Brauchte ein paar kleine Schritte um mich dort raufzuwagen, aber einmal auf dem Glas ist es faszinierend. Abends ging es dann nochmal zum Planetarium am Michigansee um ein paar Gruppenfotos zu machen und ein Panorama...


Anschließend haben wir uns geteilt und wir sind nochmal in mit dem Auto in eine nahegelegene Outlet Mall gefahren. Das beeindruckendste war dort die 20 Meter lange Waffengalerie in der Abteilung Jagd in einem Outdoor Store. Von Pistole, über Präzisionsgewehr bis zum Vollautomatischen Infanterie Sturngewehr (für die Jadg.... jaja...) gab es dort alles. Auch Schwarzpulver, Hülsen und Pressen um sich Munition selber zu machen gab es dort. Die anderen sind rumgelaufen und zufällig am Stadion gewesen wo gerade ein Basketballspiel der Chicago Bulls war. Die haben das dann auch gleich genutzt.
Am nächsten Tag haben wir uns dann Nahverkehrstickets für einen Tag gekauft. Die waren mit 5,90$ auch noch erstaunlich billig. Mit dem Bus ging es dann zum Museum of Science and Industry (also Wissenschaft und Industrie). Ein bisschen wie das Phäno in Wolfsburg mit vielen Experimenten zum mitmachen und selbst entdecken, aber deutlich größer. Zum Mittagessen wollten wir an diesem Tag nach Chinatown. Das haben wir auch geschafft aber wir waren ein bisschen enttäuscht. Nur eine Straße sah nach Chinatown aus, der Rest hätte auch ganz wo anders sein können. Aber das Essen war gut und günstig. (In Chicago lebten früher viele Tschechen, daher gibt es den Stadtteil Pilzen wo mittlerweile aber fast nur noch Mexikaner leben. Weil wir gerade bei Mexikanern sind, im Unterschied zu Kanada, wo alle Bankautomaten in Englisch und Französisch sind, waren alle Bankautomaten in den Staaten in Englisch und Spanisch).
Am Samstagabend ging es dann mit der Straßenbahn 20 Minuten nach Norden, denn in Chicago Downtown ist abends und am Wochenende nichts los. Die Zentralregion (auch häufig als Loop bezeichnet) ist wirklich nur zum Arbeiten, dort findet kein Leben statt. Da Sylwia noch keine 21 war (Mindestalter um Bars zu betreten) sind wir dort in eine Hookah Lounge (oder auch Shisha, Wasserpfeifen Lounge). Weil wir eine Gruppe mit mehr als 4 Leuten waren mussten wir ein "Party-Angebot nehmen". Das bedeutete pro Nase Getränke und jeweils eine Geschmacksrichtung. Waren uns nicht ganz schlüssig wie das aussehen wird, haben das dann aber recht schnell rausgefunden. Wir haben für 8 Leute 3 Wasserpfeifen bekommen. Da waren die ersten 3 aromatisierten Tabakköpfe drin, die anderen 4 haben wir dann nach und nach bekommen, wenn die ersten alle waren. Getränke wurden uns dann auch immer wieder aufgegossen. Saßen dann also 3 Stunden und haben gemütlich geraucht auf tollen Sofas und Teppichen in gemütlich arabischer Atmosphäre geraucht. Einige der Pfeifen war wirklich gut und ich hab lange nicht mehr so gut entspannt... Irgendwann sind wir dann auch wieder zurück und weil wir Hunger hatten, haben wir uns um 4 Uhr noch Nudeln in der Hostelküche gemacht.


Am Sonntag sind wir dann nochmal zum Hancock Center. Das ist das 4. höchste Gebäude der Stadt und steht aber etwas außerhalb. Somit hat man einen tollen Blick auf den gesamten Kern Chicagos. Das nette ist, dass es dort ein Café und eine Lounge gibt im obersten Stock. So dass man dort in über 400m Brunchen gehen kann oder Kaffee trinken. Wir haben uns für letzteres entschieden, aber irgendwann werd ich dort mal brunchen gehen, denn der Ausblick war fulminant und das Essen sah auch super aus. Von dort aus sind wir dann zurück gelaufen zum Auto. Einen kleiner Abstecher haben wir dann nochmal bei einer anderen Outlet Mall gemacht bevor es zurück nach Waterloo ging. Zweimal haben wir uns etwas verfahren, weil das Kartenmaterial wie besagt recht Bescheiden war. Die anderen haben wir dann auch schon in Chicago verloren (sind irgendwie nach Westen anstatt nach Osten aufgefahren) und auch nicht mehr wiedergefunden, aber ok das Ziel war ja klar. Angekommen sind wir dann 4.30 Uhr nachts in Waterloo.
Das war dann auch schon der Trip. Zumindest fast... denn weil wir das Auto am Parkplatz hier am Haus und nicht am Gemeinschaftszentrum abgestellt hatten, gabs auch gleich mal einen Strafzettel. 5 Stunden Schlaf, Strafzettel und die unangekündigte (vorzeitige) Hausinspektion an dem Morgen nachdem wir wieder zurück waren, haben meine Laune ganz schön vermiest. Naja, 10$ Rabatt wenn man den Strafzettel  innerhalb von 10 Tagen bezahlt, somit waren es nur 15$. Und die Inspektion hat ergeben dass das Bad geputzt werden soll... so ein Zufall, mein Mitbewohner der da zuständig ist, hat ja auch noch nie einen Finger gekrümmt. Küche war wie gewohnt ok, da räum ich im Notfall den anderen ja auch alles nach und mach sauber, weil ich eine dreckige Küche nicht ertragen kann ;-)
In 2 Wochen gehts auch los mit den Prüfungen. Am Montag werden die ersten Sachen für meine Masterarbeit bestellt, also es geht voran. Für Weihnachten und Silvester wird morgen der Rest gebucht. Studiengebühren müssen demnächst gezahlt werden, dumm nur das Irland "pleite" angemeldet hat, dadurch ist der Kurs gleich gesunken, heißt mich kosten die Studiengebühren durch den schlechteren Kurs gleich mal 50€ mehr. Mal sehen wie sich der Kurs entwickelt, werde immer mal wieder was holen um den Verlust möglichst gering zu halten.
Die Bilder sind wie immer nur eine Auswahl, den Rest findet ihr aber natürlich in meiner Picasa Bildergalerie.