Sonntag, 20. Februar 2011

Boston (20.02)

... oder die Straße der Milliadäre ...

Nachdem wir am Vortag angekommen sind ging es heute auf Entdeckungstour durch Boston. Die Stadt hat viel zu erzählen, ist sie doch eine der wichtigsten Städte der amerikanischen Kolonien gewesen. Einige der wichtigsten Entscheidungen auf dem Weg zu Unabhängigkeit haben hier ihren Ursprung. Die Stadt hat sich dann auch für Touristen die Mühe gemacht einen Freedom Trail (Weg der Unabhängigkeit) zu errichten. Eine Einlage aus roten Backsteinen führt durch die gesamte Stadt vorbei an allen wichtigen Stationen und Gebäuden der Unabhängigkeits Bewegung. Einen Plan mit Erklärungen haben wir uns in der Touristen Information geholt (und ich eine Mütze von Boston da ich meine am Vorabend wohl im Restaurant liegen lassen hatte und man es bei den Temperaturen ohne nicht aushält). Neben ehemaligen Regierungs- und Versammlungsgebäuden kommt man auch an ehemaligen Schulen, Kirchen und Friedhöfen vorbei. Eine gute Seite um sich alle Stationen einmal anzusehen findet ihr hier.


In der Faneuil Hall haben wir uns mal wieder einer kleinen Führung angeschlossen und haben etwas über eine der blutigen Schlachten inmitten von Bosten während des Unabhängigkeitskrieges gehört. Eine sehr anschauliche Erzählweise... allerdings bei seiner Leidenschaft und seinem Sendebewusstsein wundert es mich nicht warum es so viele glühende Patrioten in den Staaten gibt. Selbst die Kinder die auch an der Führung teilnahmen waren schon vollkommen ergriffen und bewegt das ihre Vorfahren sich die Unabhängigkeit mit solcher Hingabe und einem solchen Aufopferungswillen erkämpft haben. Nach diesem kurzen Einblick in die amerikanische Seele ging es dann weiter Richtung Hafen. Das schöne ist dabei, dass die Fährfahrt bereits im Nahverkehrsticket enthalten ist. Und von der Seeseite aus hat man immer einen fantastischen Blick auf die Skyline.

Am Ende des Freedom Trails stand dann noch die Besichtigung der USS Constitution (=Verfassung) an. Sie ist das älteste noch von alleine schwimmende Kriegsschiff. Nachdem wir den mittlerweile schon obligatorischen Sicherheitscheck über uns ergehen lassen haben, durften wir dann auch in das Museum und auf das Schiff. Das ist schon beeindruckende wie eng dort alles zu geht. Von einem Marinesoldaten wurde uns dann auch noch ein wenig über die Geschichte des Schiffs berichtet. Auch über die schwierigen Umstände der Besatzung wurde berichtet. Übersalztes Fleisch, kein Privatleben, kurze Ruhepausen, Krankheiten. Auch wurde ein wenig vermittelt wie es während einem der unzähligen Gefechte dieses Kriegsschiff unter Deck abgelaufen ist. Wenn man sich dabei vorstellt, dass wir da sogar Lampen hatten und die armen Kerle damals nicht mal Licht im Innenraum hatten, dann möchte ich nur sehr ungern tauschen. Abschließend haben wir dann noch einige Bilder von diesem imposanten Dreimaster gemacht. 

Anschließend sind wir noch den zweiten Weg, den Black Heritage Trail (Erbe der Schwarzen) gelaufen. Boston war eine der Städte die in Sachen Freiheitsrechte der Schwarzen in vorderster Front war. Bereits 1790 gab es keine Sklaven mehr in Boston. Und auf dem Weg sollte man etwas über diese Entwicklung erfahren. Wahrscheinlich hätte man dafür in das Museum was auf dem Weg lag gehen müssen, denn uns blieb das etwas unerschlossen. Einige der Häuser spielten wohl tatsächliche eine entscheidende Rolle bei der Abschaffung der Sklaverei und der Entwicklung einer der ersten freien afro-amerikanischen Gemeinden. Irgendwie war aber das einzige was äußerlich zu sehen war, schicke Villen. Ein Anwohner schien dann auch wohl etwas verwundert über uns gewesen zu sein und hat sich dann mit uns kurz unterhalten. In dem Stadtteil indem wir da eben waren, leben eigentlich nur Millionäre. Nach seinem Kenntnissstand kosteten die meisten Häuser an dieser Straße so um die 7-15 Millionen. In den viergeschossigen Häusern befand sich dann neben einer Bibliothek und dem Wohnräumen des Besitzers auch noch die Küche im Keller (wo ein Koch angestellt ist) und im obersten Geschoss die Räume der Bediensteten. Die meisten haben wohl so 2-3 meinte er. Seine Tochter wohnt auch gleich um die Ecke und die ist sogar Milliardär... eine von 3 auf dem Platz in dem wir da gerade waren. Das erklärte dann auch warum wir seit einiger Zeit eigentlich fast ausschließlich BMW, Mercedes oder Porsche gesehen haben. Zufällig standen wir auch gerade vor dem Haus von John Kerry, der Senator von Massachusetts und Präsidentsschaftskandidat von 2004. Ohnehin ist Boston vom Durchschnittsvermögen eine der reichsten Städte der USA.

Urlaub über die Reading Week (18.02-27.02)

... oder  von der Fahrt in die weiße Wand ...

Endlich wieder mal ein paar Tage Urlaub. Die hatten wir schon seit einiger Zeit geplant und darauf hab ich mich auch schon tierisch gefreut. Anlass war Reading Week (Lesewoche) die hier jedes Jahr Ende Februar ist und das Wintertrimester in zwei teilt. Ursprüngliche Idee ist glaube ich das Semester Revue passieren zu lassen und wie der Name sagt zu lesen und zu lernen. Traditionell wird das aber eher selten gemacht. Stattdessen genießt man die Zeit die man hier in Kanada hat und verbringt ein paar Tage im Urlaub. Andere haben sich entschieden für ein paar Tage der Kälte zu entfliehen und Zuflucht in Fiedels Castros Karabik "Paradies" zu suchen. Andere gehen für ein paar Tage Ski fahren in der Nähe von Montréal. Wir dagegen nutzten die Möglichkeit um uns noch 2 der bedeutendsten Städte der USA anzusehen, Boston und New York. Wer an Boston denkt der wird wohl als erstes an ne Tee Party erinnern. War eher weniger eine Party damals, stattdessen führte dass eher zum Unabhängigkeitskrieg... Aber dazu später mehr.

Am Freitagmorgen haben wir erstmal unseren Van abgeholt da wir mit 6 Leuten reisen würden. Damit haben wir dann erstmal unsere leeren Bier und Schnaps Flaschen und Gläser weggeschafft, die wir über die gesamte Zeit angesammelt haben. Hier kann man die halt nicht einfach mal so im Supermarkt abgeben, sondern damit muss man zum Beerstore, wovon es genau 2 (oder 3?) in Waterloo gibt. Also rein ins Auto und los. Zurückbekommen haben wir dann 30$ (etwa 250 Flaschen/Dosen). Die Gelegenheit haben wir dann natürlich auch ausgenutzt und auch für jeden einen neuen Karton mitgenommen. Dann gings erstmal auf Arbeit. Irgendwie hatte ich nicht das Gefühl viel vollbracht zu haben, auch wenn ich einige Arbeiten für die Woche weiterdelegiert habe und ein Meeting mit meinem Professor hatte. Eigentlich wollten wir uns die letzten Freitag immer mit einem Bier zusammen setzen (gesponsert von unserem Prof :-) ...) und das Review Paper das wir schreiben diskutieren, aber das musste er leider absagen. Nachdem wir mit unserem Meeting aber fertig waren kamen wir auf die Idee trotzdem noch ein schnelles Bier mit der Arbeitsgruppe zu trinken. Haben wir dann auch gemacht. Mit den beiden anderen Studenten aus der Gruppe rüber ins Grad-House und dann noch gemütlich einen zusammen heben (besser kann man die Moral seiner Arbeitsgruppe glaube ich nicht heben *G*). Und dabei waren wir wirklich produktiv. Selbst wenn man die ganze Zeit zusammen im selben Büro sitzt tauscht man nicht ständig jede Idee aus. Und da haben wir mal so spontan ein paar neue Ideen entwickelt und Ideen für spannende Experimente diskutiert. Eine bessere Arbeitsatmosphäre könnte ich mir im Moment gar nicht vorstellen, da zu forschen macht wirklich Laune... Aber gut ich drifte vom eigentlich ab...

Nachdem Clemens am Freitag dann noch eine Freundin vom Flughafen aus Toronto abgeholt hat die aus Deutschland hergeflogen ist ging es dann Samstag morgen kurz nach 6 Uhr am Morgen los. Da wir uns noch einen kleinen Absacker gegönnt hatten und ich dann noch packen mussten, hieß dass nur 2,5 Stunden Schlaf, aber das geht schon mal. Wir sind dann auch recht pünktlich losgekommen, allerdings haben wir erst 4 Stunden später gemerkt dass irgendwas komisch ist. Nachdem wir einen Anruf bekommen hatten ob wir von Simons Mitbewohner Koffer eingepackt hatten haben wir mal im Kofferraum geschaut und haben tatsächlich 2 Koffer drin gehabt die wir nicht zuordnen konnten. Das Problem war das der Mitbewohner die Sachen in den Vorraum gestellt hat. Genauso wie Simons anderer Mitbewohner (Christoph), der aber mit uns kam. Da die Absprache etwas schlecht war hat Simon einfach alle Koffer aus dem dem Vorraum ins Auto geräumt in der Annahme es wären Christophs Sachen, die aber längst im Auto verstaut waren. Na gut, zum Glück war nicht wichtiges drin... so bekommt der das dann wenn wir wieder zurück sind. Insgesamt waren wir ja dann 11 Stunden bis Boston unterwegs. Eine Straße war gesperrt das hat gedauert und die Einreise in die Staaten hat uns dann eine weitere Stunde gekostet. Zwischendurch hat es auch enorm geschneit und gewindet, so dass wir einmal in eine weiße Wand gefahren sind und wirklich nichts mehr gesehen haben. Wir hatten Glück dass dort keiner war. Andere hatten weniger Glück, die sind dann kollidiert und standen noch immer am Straßenrand. Insgesamt haben wir an diesem Tag bestimmt 15-20 Autos links und rechts im Straßengraben gesehen.

Am Abend waren wir dann aber endlich da und nachdem Check-in gings dann erstmal mit der Straßenbahn in die Innenstadt. Mir war bis dahin gar nicht bekannt das es in Boston eine Art Little Italy gab. Eine Pizzeria neben der anderen. Immer wieder aufgelockert von kleinen Cafés die guten Kaffee verkaufen oder auch einigen guten Restaurants. Auf den ersten Blick wirkt Boston wirklich ganz nett. Nicht zu groß, vergleichweise alt und geschichtsträchtig und mit dem gewissen Charm einer gewachsenen Stadt. Aber nachdem wir schon so lange auf Tour waren und so zeitig aufgestanden sind, war dann auch nicht mehr viel und so haben wir uns nur noch ein Bierchen auf dem Rückweg mitgenommen und den Abend dann so ausklingen lassen...

Um euch schon mal einen Vorgeschmack von Boston zu geben hab ich euch ein Foto angehängt.

Sonntag, 6. Februar 2011

Schneeschuh Wanderung (04.02-06.02)

... oder wie man mal wieder vom Bussystem enttäuscht wird ...
 
An diesem Wochenende haben wir das gute schneereiche Wetter genutzt und haben uns ein paar Schneeschuhe geliehen. Die gibt es im Outdoor Club der Uni. Die verleihen die für 3 Dollar am Tag und das Wochenende zählt da nicht. Das lohnt sich wirklich, gerade weil die in richtig Outdoor Shops so etwa das dreifache kosten. Das einzige Problem ist nur das man immer Pfand hinterlegen muss. Da hier immer noch (für mich vollkommen unverständlich) sehr viel über Checks läuft geben die meisten immer nur einen Scheck ab. Aber wenn man wie ich hier nur ein Konto hat um die Studiengebühren zu bezahlen, dann hat man auch keine Schecks und so muss man die 200$ immer in bar hinterlegen. Da freuen die sich auch immer unheimlich wenn sie dann erstmal 50 Scheine á 20$ bekommen (für uns alle 5 zusammen), da ungünstigerweise die Geldautomaten hier immer nur 20$-Scheine ausspucken. Natürlich mussten wir die erstmal ausprobieren und so haben wir die uns dann direkt mal angeschnallt und sind quer über den Campus durch einen halben Meter Schnee marschiert. Da gute ist das man doch etwas weniger einsinkt durch die größere Fläche, allerdings sinkt man doch mehr ein als ich es erwartet hätte. Also man schwebt damit leider nicht einfach direkt über Neuschnee. Aber das gute ist auch dass die Krallen dran unterhalb des Schuhs angebracht haben, so dass man auch auf vereisten Stellen und Steigungen keine Probleme hat. Insgesamt also ganz cool, nur das man aufpassen muss nicht mit der Ferse bergab auf festen Untergrund tritt und der Vorderteil des Schneeschuhs ist ohne Belastung... das endet dann nämlich zwangläufig damit dass man erstmal schön nach vorne umkippt. Ist uns dann auch nur nur einmal passiert an diesem Wochenende.
Am Samstag sind wir dann zu einer großen Tour gestartet. Von unserer Wohnung sind wir zu dritt gestartet. Das Wetter war optimal. Nicht zu kalt, am Tag vorher hat es nochmal schön geschneit und der Wind hielt sich in Grenzen. Erst mussten wir ein Stück über ein Feld und dann ging es quer durch ein kleines Waldstückchen. Dort merkt man dann doch wie vorteilhaft es ist Schneeschuhe an den Schuhe zu haben. Nach einer Weile fing es dann auch an zu schneien. Führte dann dazu das wir wieder zurück gekommen eher wie Schneemänner aussehen.

Als wir zurück waren wollten wir dann auch noch Einkaufen gehen. Leider hatten wir nicht mit der Unfähigkeit des hiesigen Nahverkehrsystems gerechnet... Beim Nachschauen 5 Minuten bevor wir loswollten stellten wir fest dass die Busse am Wochenende ab Mittags immer ein paar Minuten früher fahren als gewöhnlich, so dass wir statt 5 Minuten nur noch 1 Minute hatten... Naja, am Ende war es auch egal da wir auch rausfanden dass der Bus den wir nehmen wollten um 6 Uhr Abends der letzte war. Somit wären wir dann zwar zur Kaufhalle aber nicht mehr zurück gekommen. Naja, wieder ne Lektion gelernt...

Dienstag, 4. Januar 2011

Québec, die Zweite

Auf dem Weg von unserer Cottage nach Montréal hatten wir das Glück an einem Informationsbüro vorbeizukommen, dass geöffnet hatte. Das gleiche Glück hatten wir kurz vor Québec nicht. Also einfach mal blind Richtung Zentrum fahren, vielleicht erkenne ich irgendeine Stelle auf dem Weg wieder. Und tatsächlich ich hatte noch nicht alles vergessen und so sind wir sogar nur eine kleinen Umweg gefahren und sind am Hotel angekommen (das gleich wo ich im Sommer schon war, daher war es möglich es auch so zu finden). Da wir für uns 5 Leute wieder nur ein 4er Zimmer gebucht hatten sind wir dann auch wieder getrennt ins Hotel. Zum Glück ist das Best Western dort so groß dass dort ohnehin keiner zuordnen kann zu welchem Zimmer man gehört (im Gegensatz zu Montréal wo das Hotel nur 30 Zimmer hatte und man immer klingeln musste um eingelassen zu werden).

Nach der üblichen Runde durch das alte Québec (im Winter genauso schön wie im Sommer) wo ich mich sogar recht erfolgreich als Guide versuchen konnte gings in nem Pub. Da haben wir nett gegessen und auch direkt mal ein Hausbier bestellen wollen (der Pub hieß St. Alexandre). Man hatte 4 verschiedene zur Auswahl St. Alexandre hell, blond, braun oder dunkel. Ganz beeindruckt das die selber Bier brauen haben wir direkt mal gefragt ob die das hier direkt im Haus brauen. Darauf konnte uns der Kellner leider nur sagen, dass sein Chef mal auf die Idee kam Moosehead (ein Bier von der Atlantikküste) als St. Alexandre zu verkaufen... Ich konnte mir da das Lachen nicht ganz verkneifen. Das tolle war, dass wir die ganze Zeit live Musik hatten. Eine Gitarre, ein Mann. Flüssig in englisch und französisch und in beiden Sprachen hat er gesungen. Ich muss zugeben seit ich hier bin mag ich französische Musik immer mehr.

Am nächsten Tag gings dann nochmal ne Runde durch die Stadt und hinauf auf die alten Wehranlagen. Das Museum darin ist leider nur in den Sommermonaten geöffnet. Der Grund ist die Kaserne die sich noch immer in der Festung befindet und im Einsatz ist. So kamen wir dann also nur bis zur ersten Wachen...

Da ich das meiste schon gesehen hatte hab ich meine Kamera diesmal nicht mitgenommen. Aber dennoch war es schön wieder mal in Québec zu sein. Bevor wir am nächsten Tag zurückfahren musste (insgesamt 9 Stunden) haben wir uns am Abend zuvor nochmal im Zimmer ausgeruht. Einige andere von uns waren noch im Hoteleigenen Whirlpool. Dort haben sie sich mit einer Professorin unterhalten die ein wenig erstaunt war, dass wir nur 80$ pro Nacht zahlen. Sie zahlte so um die 150$ für etwa das gleiche Zimmer. Ein Hoch auf hotwire.com ...

Bevor unser Urlaub dann nun letztendlich zuende ging haben wir nochmal an den nahegelegenen Montmorency Falls gehalten. Auch wenn sie kleiner sind als die Niagara Falls fand ich sie mindestens genauso schön wenn nicht sogar besser. Liegt wohl auch mit daran dass dort kaum Leute waren und noch nicht alles so kommerzialisiert ist. Und... wer hat denn schon mal nen Wasserfall im Winter gesehen.

Als wir dann nach dieser für kanadische Verhältnisse gerade mal mittelmäßig langen Strecke angekommen waren, gabs dann noch das letzte Bier des Urlaubs und wir haben die ersten unserer Mitbewohner kennengelernt. Ich bin in diesem Term damit wirklich zufrieden. Die räumen sogar mal selbstständig auf und schaffen den Müll weg... ich hatte nicht mehr daran zu glauben gewagt *G*. Demnächst werden wir nochmal uns mit Schneeschuhen bewaffnen und ne Runde um Waterloo marschieren, aber da ich mittlerweile an meiner Masterarbeit herumwerke ist nicht unbedingt mehr Zeit als vorher. Allerdings werden wir über die Reading-Week im Februar mal nach Boston und New York fahren und eventuell komm ich Ende April mal nach Vancouver ...

Samstag, 1. Januar 2011

Silvester in Montréal

Nach den rühigen Tagen auf unserer Hütte ging es dann wieder etwas weiter richtig Europa (sowohl geographisch als auch gefühlt). Montréal ist in vielen Belangen viel europäischer als man es von Waterloo und der Umgebung kennt und so war es mal wieder richtig angenehm dort zu sein.
Nachdem wir unser kleines poppeliges Hotel gefunden haben (sah etwas runtergekommen aus und die Zimmer sahen dann auch so aus wie man es von außen erwartet hätte) wurde uns erstmal empfohlen das Auto nicht im Hinterhof zu parken, da wohl häufiger schon mal dort ein Auto aufgebrochen wurde. Also Parkplatz suchen. Das ist gar nicht so leicht, vor allem wenn man die Empfehlung von der Rezeption bekommt auf einem nahen Parkplatz zu parken und dann in deren Hotel Rezeption zu bezahlen. Der war auf einem Flyer unseres Hotels sogar als möglicher Parkplatz eingezeichnet. Dort angekommen, wurden wir aber nur verwundert angeschaut und uns ziemlich missverständlich klar gemacht, dass außer deren eigenen Hotelgästen dort noch nie jemand geparkt hat... Nach ner halben Stunde suchen haben wir dann auch ne Tiefgarage gefunden wo wir unser Auto abstellen konnten.
Als wir das letzte mal im Sommer da waren gab es keinen Grund in den Untergrund zu gehen. Diesmal haben wir uns aber vor dem Wetter versteckt und sind direkt in den Untergrund. Dort spielt sich ein Großteil des Lebens ab im Winter. Montréal hat sogar eine der größten Unterstädte in Kanada. Das Zentrum ist quasi komplett untertunnelt und dort sind dann auch Einkaufsgeschäfte, Restaurants usw. drin. Zusätzlich verbindet das System alle möglichen wichtigen und unwichtigen Gebäude, so dass man gar nicht mehr raus in die Kälte muss. Und wenn man etwas weiter muss geht man einfach noch eine Etage nach unten und ist direkt in der U-Bahn. Schon praktisch...

So haben wir uns auch wieder ein wenig die Stadt angesehen und ich kam an einige Ecken an denen ich im Sommer noch gar nicht wahr. Auch in der Cathedral de Notre Dame waren wir (hier links). Ist wirklich beeindruckend auch wenn es schon ein wenig komisch ist Eintritt für eine Kirche zu bezahlen...
Da ja gerade Winter ist haben wir es uns auch nicht nehmen lassen Schlittschuh laufen zu gehen. Im Park wird jedes Jahr eine große Eisfläche präpariert die man kostenlos nutzen darf. Nur Schlittschuhe musste man ausleihen wenn man keine hatte. Ein paar Runden bei dem sonningen Wetter zu drehen war echt angenehm. Auch den Kanadier zuzusehen war beeindruckend. Ein Vater hat da mit seinen beiden Söhnen (etwa 7-10) in bester Eishockey Manier Runden gedreht und fangen gespielt. Die anderen Schlittschuh Läufer wurden für die dann kurzer Hand mal zu Hindernissen um die man herumfahren kann. Und es schien auch nicht dass es ein großer Unterschied für die 3 war ob die jetzt vorwärts oder rückwärts laufen... Ein anderer Vater war mit seinem Kind auch auf dem Eis. Allerdings lag das noch im Kinderwagen. Eigentlich hätte es mich nicht gewundert wenn der Kinderwagen auch Kufen gehabt hätte. Wenn man die Kleinen schon so früh daran gewöhnt ist das natürlich kein Wunder wenn die genauso gut auf dem Eis sind wie irgendwo anders zu Fuß auch. Erstaunt war ich auch wieder über die hiesigen Eichhörnchen. Die haben schon so die Angst vor Menschen verloren, die sind Christoph sogar bis auf den Fuß geklettert...
Nett war auch unser Ausflug auf eine der beiden Inseln von Montréal (die Stadt selbst liegt auch auf einer Insel). Dort steht noch immer diese riesige Stahlkonstruktion von der Weltaustellung 1967. Dort befindet sich auch die Formel 1 Rennstrecke von Canada. Dort sind wir dann auch ein paar Meter langgeschlendert. Wenn man sich da vorstellt das die dort mit etwa 250km/h lang jagen... Im Casino auf der gleichen Inseln waren wir dann auch noch. Gespielt haben wir nicht. Man hätte zwar auch sein Geld beim elektronischen Pferderennen verballern können. Der Spieler der uns den Sinn davon erklären wollte hat irgendwie nicht wirklich glaubhaft machen können, dass das Spaß macht.
Am 30. Dezember sind wir dann auf der Suche nach Essen in einem Restaurant gelandet das Smoked Meat anbot. Das ist Rindfleisch 3-4 Stunden bei niedrigen Temperaturen gar geräuchert wird und mit vielen Kräutern und Gewürzen mariniert wurde. Einfach ein Traum. Vor allem wenn man dann ein Sandwich bekommt wo das Fleisch doppelt so dick war wie die beiden Sandwich Scheiben zusammen. So wünscht man sich das als Karnivor (=Fleischfresser) doch. Bild siehe unten ;-)

Am 31. waren wir dann nochmal auf dem Stadtberg und haben uns eine kleine Schneeball Schlacht geliefert bevor wir uns dann zum Alkohol kaufen begeben haben. In einem großen unterirdischen Einkaufszentrum sind wir dann auf der Suche nach einem Likörgeschäft begeben. Nachdem wir drei verschiedene Leute gefragt hatten haben wir es gefunden. Wir haben uns zwar gewundert was die meinten von wegen lange Wartezeit, denn da war gar keine Schlange... also rein da. Irgendwie war da aber nur edler Cognac und Champagner. Nach ein paar Minuten merkten wir dann dass wir mit der Treppe nach unten gehen konnten. Dort gab es dann Weine, aber das war ja eigentlich immer noch nicht was wir wollten, denn 30$ für ne Flasche Wein wollten wir nicht ausgeben. Letztendlich haben wir dann den richtigen Bereich des Ladens gefunden und uns eingedeckt. Mittlerweile wussten wir auch warum uns alle Leute gewarnt hatten uns zu beeilen, denn der Laden schließt um 6. Aber wir hatten dann ja 5 vor 6 bezahlt und verließen die Tür dann auch gleich auf dem unteren Level und oha... da war die Schlange also... etwa 20 Meter, hätte uns wohl ne Stunde gekostet und hätte bedeutet das wir Silvester auf dem Trockenen gesessen hätten. Zwischenzeitlich haben wir dann auch erfahren, dass es verboten ist von der Cognac und Champagner Abteilung des Ladens in den anderen Bereich zu laufen... Naja, Glück gehabt ;-)

Nachdem wir ein paar Runden im Hotel im Zimmer hatten ging es dann raus in die Stadt. Wir waren auf einer privaten Feier eingeladen. Irgendwie hat sich das über 3 Ecken ergeben. Wir hatten so mit 20-30 Leuten gerechnet, da man uns sagte es sei eine Studenten Party. Angekommen waren wir dann die ersten. Eine Studenten Party war es auch, aber nur von 5 oder 6 Master und PhD-students. Irgendwie ziemlich eigenartige Stimmung. Sind dann auch nicht lange geblieben und in einem nahe gelegenen Park haben wir dann um 0 Uhr den Sekt geköpft ... (ja das öffentliche Konsumieren von Alkohol ist auch in Quebec nicht erlaubt). Danach ging es dann noch in eine Bar. Ich weis bis heute nicht genau wo die ist, wir sind einfach ein wenig herumgelaufen und da quasi reingefallen, weil die keinen Eintritt wollten (selbst Bars wollten für den Abend 10$ und einige Clubs haben bis zu 120$ nur für den Eintritt genommen). Dort haben wir dann noch einige Zeit gefeiert bis dort irgendwann ein paar Schnittchen und Imbisse aufgebahrt wurden. Kam genau zur richtigen Zeit. Danach gings dann auch zurück ins Hotel, wir wollten am nächsten Tag ja dann noch nach Québec. Aber bevor wir uns dann am 01. auf den Weg gemacht haben sind wir nochmal zum Mittag in das deftige Lokal mit dem leckeren smoked beef gegangen. Vielen Dank auch an Clemens für das Bild...